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Der Burgberg fällt nach Westen, Norden und Osten steil und tief ab. Nur nach Süden hin steht er mit dem schmalen Höhenrücken, auf dem die Stadt sich streckt, in fast ebener Verbindung. Er war hier in nichts durch die Natur geschützt, und da sich auf Grund der Geländeverhältnisse an dieser Stelle der Haupteingang in die Burg befand, war diese Seite doppelt gefährdet. Sie musste also durch künstliche Werke besonders befestigt werden.
Ihre eindrucksvollste Wehranlage ist der gewaltige Graben, der vor der ganzen Südseite herzieht; bis 1841 auch noch vor der Westseite, wo er in jenem Jahr durch den Bau der heutigen Straße verschwand. Er heißt, wie auch andernorts, „Hirschgraben“, da einstens einmal die Burggrafen Hirsche in ihm hegten. Vornehmlich der Teil östlich (rechts) des Tores zeigt ihn in seiner ursprünglichen monumentalen Breite, während seine Tiefe ehedem noch bedeutender war. Der westliche (linke) Teil wird durch die Straße allmählich verschleift.
Unmittelbar aus der Sohle des Grabens steigen die Zwingermauern senkrecht auf. Die Mauerkrone des westlichen (linken) Zwingerteils lässt noch in regelmäßigen Abständen die alten Schießarten erkennen. In der östlichen (rechten) Hälfte ist der Zwinger doppelt. Die Zwinger steigen terrassenförmig an. Der äußere (untere) war ursprünglich durch zwei rechteckige vorspringende Streichwehren verstärkt, von denen aber nur die westliche noch ganz erhalten ist. Aus ihren Schießscharten konnte der Hirschgraben völlig bestrichen werden.
Die beiden Ecktürme der Südzwinger sind auf dieser von der Natur wenig geschützten Seite besonders stark. Um 1500 wurde die Südwestecke durch die Erbauung des dicken Turmes weiter verstärkt. Dieser runde Turmklotz ist ein mächtiges Bollwerk von 18,7m Durchmesser und ursprünglich 20m Höhe. Die Stärke seiner Mauern beträgt 5,7 m. Mehrere Ringe von großen Schießscharten weisen darauf hin, dass er ein ausgesprochener Batterieturm war, der wahrscheinlich mit Kartaunen und Falkonetten voll bestückt war. Er stand mit dem gegenüberliegenden Zwingereckturm durch einen oberirdischen, aus starken Mauern gebildeten Gang in Verbindung. Auch diese Verbindungsmauern wiesen nach beiden Seiten Schießscharten auf; sie wurden erst 1841 bei der Anlage der Straße niedergerissen.
Die steinerne Torbrücke entstand 1773; vorher führte eine hölzerne Zugbrücke hinüber.
Auf der Stadtseite schützte einige Jahrhunderte lang den Zugang zur Brücke ein steinerner, von zwei Rundtürmen flankierter Torbau, der 1497 seine letzte Form erhielt und 1632 abgebrochen wurde, um einer mächtigen Schanze Platz zu machen; diese wiederum fiel dem Straßenbau 1842 zum Opfer. Zu diesem Tor gehörte wohl ursprünglich als Schmuck das große Sandsteinwappen, das heute in der Westwand des sog. Teehäuschens eingemauert ist.
Das Haupttor springt als Bollwerk von etwa 32 m Breite mehrere Meter weit in den Hirschgraben vor, so dass aus den Schießscharten der Seitenmauern und der beiden flankierenden Rundtürme der ganze Graben wirkungsvoll bestrichen werden konnte. Beide Türme enthielten tiefe Verließe, die noch mehrere Meter unter die Sohle des Grabens hinabreichten. Die schmale, spitzbogige Toröffnung konnte durch starke, eisenbeschlagene Bohlentore geschlossen werden. Bei geschlossenem Haupttor gestattete eine kleine Tür neben dem rechten Seitenturm über einen auf Kragsteinen ruhenden Holzsteg, der zur Zugbrücke führte, einen spärlichen Personenverkehr.
Der Spitzbogen der Toröffnung ist durch zwei Gesimse rechteckig umrahmt. Das äußere Gesims umläuft die ganze Toranlage. Auf jeder Seite des Eingangs ist in ziemlicher Höhe eine Konsole in die Mauer eingelassen, von denen die rechte als weiblicher Kopf gestaltet ist. Über dem Tor prangt ein großes Burgwappen, das aber erst in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, wohl gleichzeitig mit der barocken Bedachung, geschaffen worden ist. Es zeigt den doppelköpfigen Reichsadler mit Krone, Szepter und Reichsschwert. Der Brustschild ist geviertelt. Im 1. Feld St. Georg zu Pferd, als Schutzheiliger der Burg; im 2. Feld ein aufgerichteter, zum Sprung geschickter Löwe, der von einem rechtsschrägen Balken durchzogen ist; im 3. Feld eine zweitürmige Burg mit Torturm; im 4. Feld ein in Silber und Schwarz gespaltener Schild, der das Wappen der Stadt Friedberg darstellt.
Unter dem Adlerwappen ist ein gotischer Vierpass eingemauert. Er umrahmt eine Hand mit drei aufgereckten Fingern (der Daumen ist abgebrochen), die aus stilisierten Wolken herausragt. Der Rand des Vierpasses trägt die Unterschrift: frid sy bi uch und die Jahreszahl 1493. Man hat dieses Gebilde immer als Schwurband bezeichnet, die auf den im Gebiet der Burg herrschenden Burgfrieden hinweisen sollte. Das mag für die spätere Zeit gegolten haben: die Hand ist frühestens im Jahre 1684 hier eingelassen worden. Das Steinbild diente ursprünglich als Schlussstein eines gotischen Gewölbes in einem Raum eines mächtigen Turmes, der unmittelbar hinter dem Südtor stand. Dieser Turm gehörte zur ältesten staufischen Anlage und war der ursprüngliche Torturm. In einem oberen Geschoß befand sich, nach staufischer Sitte, die älteste Burgkapelle. Sie wurde, wie der Schlussstein zeigt, Ende des 15. Jahrhunderts gotisch überwölbt und diente auch da noch, neben der inzwischen errichteten Burgkirche, religiösen Zwecken. Die Umschrift des Vierpasses ist die alte göttliche und priesterliche Segensformel, und auch die Hand mit den aufgereckten drei Fingern ist der alte Segensgestus. Sie bedeutet hier nichts anderes als die Hand Gottes, die segnend aus den Wolken ragt. – Der Turm stürzte 1684 ein, seine letzten Reste wurden 1771 abgetragen. Der Schlussstein fand nun als „Schwurhand“ seinen neuen Platz über dem Tor.
In seiner Gesamtwirkung ist das Südtor nicht nur eine gute fortifikatorische, sondern auch eine wohlgefällige architektonische Leistung. Im Innern sind an der Ostwand noch Reste des alten Wehrganges erhalten.
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